Die Originalseite zum Thema morphologische filmanalyse: Film-Künste-TV-Shows, 3-937231-82-X ISBN 393723182X, Spielfilm, Schauspiel, Literatur, Bildende Kunst, Film, Fernsehen, Lutz Haucke
Film & Kunst & TV-Shows
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Filmgeschichtliche Schwerpunkte sind die Stummfilmgeschichte und die Tonfilmumstellung 1929 sowie die Neuen Wellen in Osteuropa (1959 – 1972) und die DEFA-Geschichte der 80er und frühen 90er Jahre.
Filmwissenschaft wird in diesem Sammelband als Baustein
der Medienwissenschaft verstanden. Mit diesem Wissenschaftsverständnis trifft
der Autor auf die in den letzten Jahren an den Universitäten in der BRD
vollzogene Erweiterung der Institute für Filmwissenschaft zu Instituten für
Medienwissenschaft. Filmgeschichtliche Schwerpunkte sind die Stummfilmgeschichte
und die Tonfilmumstellung 1929 sowie die Neuen Wellen in Osteuropa (1959 -1972)
und die DEFA-Geschichte der achtziger und frühen neunziger Jahre. Den
Wechselbeziehungen – getragen von Intermedialitätskonzepten – zwischen
Spielfilm, Schauspiel, Literatur, Bildender Kunst einerseits und von Film und
Fernsehen andererseits wird in Studien nachgegangen. ![]()
Der Autor verfolgt ein breites Spektrum der historiographischen Film- und Fernsehanalyse. Er ist besonders verpflichtet der ideologiekritischen Methode S. Kracauers und dem Konzept M. Ferros von Film und Fernsehen als Mittel der „Gegenanalyse“ in der Geschichte. In Anlehnung an die theaterwissenschaftliche Denkfigur der Maskerade versucht der Autor, ein Maskeradentheorem im ideologiekritischen Sinne für die Analyse der Moderne und Postmoderne, für das Star-Problem und für TV-Shows anzuwenden.
Da Konferenzbeiträge und Studien seit 1978 in diesem Sammelband vereinigt sind, bietet er auch Zugänge zur Diskursgeschichte der Film- und Medienwissenschaft in Deutschland. Überdies sind für die DDR-Forschung interessante Querverbindungen in einigen Studien zu entdecken.
Dr. sc. Lutz Haucke (Jg. 1940) war tätig als Oberassistent und Dozent in der Hochschullehre an der Humboldt-Universität Berlin (Theaterwissenschaftliches Seminar, 1978-1998), an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg (1971-1975) und als Honorardozent an der Theaterhochschule Leipzig in den 80er Jahren. Er wirkte mit an mehreren Forschungsprojekten so zur Geschichte der DEFA, zu Phänomenen der Massenkultur, zur Theorie und Geschichte der darstellenden Künste. Als erster Universitätsdozent für Filmwissenschaft in der DDR schuf er Grundlagen für ein filmwissenschaftliches Grundstudium mit den Schwerpunkten „Internationale Filmgeschichte“, „Dramaturgie der AV-Medien“ und „Filmanalyse“ im Studiengang Theaterwissenschaft. Zahlreiche Publikationen in Zeitschriften und Sammelbänden.
Filmblatt, 10. Jg., Winter 2005, Ralf Forster
Ehemaligen Studenten der Theaterwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität dürfte Lutz Haucke ein Begriff sein. Kaum einem anderen Dozenten der Geisteswissenschaften gelang es Mitte der 1990er Jahre, eine ab 7.30 Uhr angesetzte Vorlesung bis auf den letzten Platz zu füllen. Seine Ausführungen zur Filmgeschichte und zur Dramaturgie beeindruckten die Hörer, nicht zuletzt deshalb, weil sie stets engegiert vorgetragen und geschickt durch visuelles Material gestützt wurden. Filmhistografie fasste Haucke bei seinen Veranstaltungen immer als transnationalen Prozess auf, als Segment einer umfassenden Medienanalyse, das eng an Beispiele und Konzepte des intellektuellen Kinos der 1940er bis 1980er Jahre geknüpft war.
Neben seinem erfolgreichen Eintreten für eine Weitung der klassischen
Theaterwissenschaften zu Film und Fernsehen ist es Hauckes bleibendes Verdienst,
dem Autorenfilm in Osteuropa nachgespürt und ihn als kohärentes Phänomen und
teilweise gegenkulturellen Impuls zur staatlich sanktionierten Filmproduktion
wahrgenommen zu haben.![]()
Nun hat Lutz Haucke 24 seiner zahlreichen Studien in einem schlichten Aufsatzband veröffentlicht - das Konzentrat seiner Forschung zwischen 1978 und 2004. Das Buch ist in einem filmhistografisch/ methodischen sowie einen Teil "Film, Künste, Medien" gegliedert. Während im ersten Abschnitt Texte zu Werksgeschichte und Erzählkonzepten von Autorenfilmern des Spielfilms der 1960er bis 1980er Jahre (tschechische "Neue Welle", Fellini, Kurosawa) dominieren, bringt der zweite Teil Beiträge zur Medienkommunikation beziehungsweise zu Fernsehen und Theater jener Jahre.
So wenig die einzelnen Abhandlungen (aufgrund ihrer unterschiedlichen
Entstehungsjahre, der inhaltlichen Vielfalt oder einer disparaten Textur)
aufeinander bezogen sind und sich zu einer geschlossenen Lektüre vereinen, so
deutlich zeigen sie in der Zusammenschau den Stand und die Entwicklungslinien
einer vorsichtig etablierten (und u. a. durch Haucke repräsentierten)
Mediengeschichtsschreibung in der DDR an. Ausgehend vom Handwerk, der
vergleichenden (Klein-)Arbeit am Material, an Dramaturgien bzw.
Inszenierungstechniken bis hin zur Darsteller- und Einzelbildanalyse werden
Hypothesen zur sozialen Relevanz des filmisch Verhandelten aufgestellt, Fragen
nach der Sprengkraft der Medien als gesellschaftspraktische Orientierungshilfe
und Mittel zur Geschichtsdeutung formuliert. Haucke findet dieses
Kritikpotential (extrahiert aus dem Einzelwerk oder der Filmgruppe) bei der
Nouvelle Vague ebenso wie bei der neuen tschechischen Regissiurgeneration der
1960er Jahre. Allerdings schränkt der werkzentrierte Ansatz die Beweiskraft
seiner Darlegungen insofern ein, als Verbreitung und Reflexion dieser
"Intellektuellenkulturen" (S. 135), etwa in anderen populären Medien
oder im Alltag, in Hauckes Argumentation kaum eine Rolle spielen.![]()
Dass der Autor auch aktuelle Debatten auf Augenhöhe verfolgt, bezeugen seine Ausführungen über die Chancen der Filmforschung innerhalb einer interdisziplinär ausgerichteten Medienwissenschaft. Anhand von neueren Standard- und Einführungsbänden wird zurecht die Tendenz bemängelt, sich von der Praxis (etwa den Prinzipien der Filmherstellung) zu entfernen und zugleich der Selbstbespiegelung über das eigene Instrumentarium (vor allem über die möglichen theoretischen Zugriffe auf das Medienprodukt) immer größeren Raum zu gewähren.
Die etwas sperrige, nicht illustrierte Publikation verdeutlicht den hohen
Erkenntnisstand von Haucke insbesondere zum künstlerisch ambitionierten
Spielfilm in Europa nach 1945. So ist zu wünschen, dass er sein im Vorwort erwähntes
Manuskript zu den osteuropäischen "Neuen Wellen" bald in Buchform
vorlegen kann.![]()
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